Mittwoch, 26. August 2015

Cabin in the Woods

Der Titel Cabin in the Woods passt ja eigentlich nur in dem Sinne, dass es sich hier um ein Haus im Wald handelt. Der Inhalt des dazugehörigen Filmes deckt sich aber nicht wirklich mit den von mir erlebten Abenteuern. Erfreulicherweise!

An meinem ersten Tag entdeckte ich einige schwedische Magazine über Promis und noch mehr Magazine der Sorte Hemmets veckotidning. Die sind am allerbesten und voller spannender Geschichten aus den Leben der LeserInnen, furchtbar kitschige Fortsetzungsromane, Rätsel, Dekotipps, Rezepte. Herrlich! Diese Hefte stellten für die nächsten 1,5 Wochen eine wichtige Unterhaltungsquelle dar.


Dazu muss erwähnt werden, dass das Haus im Wald ohne Strom und fließendes Wasser ist. Jouke hat ein Solardings mit dem man Handys aufladen kann, Internet kann er bei den Nachbarn benutzen. Die wohnen 15-20 Minuten weg und bei denen hat Jouke im Vorjahr gewwooft.

Als Wasserquelle gibt es einen guten alten Trinkwasserbrunnen, der aber in den ersten paar Tagen nur fürs Kochen da war, weil irgendwem mal eine Solarlampe reingefallen ist. Deswegen wollte Jouke nach der Trockenlegung des Brunnens ein bisschen warten, damit sich die toxische Gefahr, ausgehend von der Lampe (die logischerweise geborgen wurde) in Luft auflösen konnte. Drum gabs zum so Trinken nur selbstgebrannten Schnaps, der in unauffällige Wasserflaschen abgefüllt war und auch verdächtig nach Wasser schmeckte. Wir hatten trotzdem eine gute Zeit.


Ich durfte Holzscheite die vom Vorbesitzer artgerecht in Haufen in der Wiese gehalten wurden, mit der Rückseite der Axt hauen um zu testen wie morsch und verrottet sie waren. Die meisten waren nicht mehr zu retten und so leicht, dass ich sie  wie Luftballons wegpusten konnte.
Als ich zu meinem zweiten Holzhaufen kam, haute ich willkürlich auf einen Holzscheit ein und zerstörte damit das Zuhause einer Ameisenkolonie. Ich entschuldigte mich vielmals, versuchte das Stück Rinde das abgefallen war wieder draufzulegen und konnte aber nur zusehen wie das Volk sine Larven evakuierte und sich zu ihrem (hoffentlich netten) alternativen Wohnsitz begab. Etwas traumatiesiert von dem Unglück, begann icx die anderen Holzscheite etwas zögerlicher zu hauen, dann war Mittag.

Wir haben glaube ich Spaghetti gegessen. Mit Tomatensauce versteht sich, das Pesto brauchen wir ja fürs Brot. Zur typisch schwedischen Waldjause gibts nämlich Brot mit Pesto, Mayonnaise, ungekühltem Käse, Erdnussbutter. So will es das Gesetz!

Mein Handy geht ja nach wie vor nicht im Ausland. Um das Problem zu beheben ging ich in einen [Netzanbieter]-Shop in Oberösterreich. Die Frau dort wusste gleich was das Problem war und sagte ich muss schriftlich die Aufhebung der Sperre beantragen. Hab ich auch gemacht. Die Hanseln von [Netzanbieter] haben aber scheinbar die Sperre nicht rausgenommen, aber mir auch nicht auf meinen Brief geantwortet. Das war dann ein ganz spannender Moment als mein Bus sich der tschechischen Grenze näherte und ich gleich erfahren würde ob ich Empfang habe oder nicht. Hatte ich natürlich nicht. Nachdem ich den Brief geschickt hatte, erwartete ich eine Art Rückmeldung wie "Die Sperre wurde aufgehoben". Da nichts kam ging ich noch mal in einen [Netzanbieter]-Shop in Wien. Die 2 Burschen im [Netzanbieter]-Shop wussten gar nicht von welcher Sperre ich redete. Die meinten [Netzanbieter] könnte ja gar nicht verhindern dass mein Handy im Ausland Empfang hat. Als Beweis meinte der eine von ihnen, dass er ja auch mal in Schweden war und dort sein Handy funktioniert hatte. Vielleicht sollten die zwei mal in einen [Netzanbieter]-Shop gehen und sich informieren.

Nach meiner Ankunft schrieb ich also meiner Mama eine SMS von Joukes Handy. Als Einzelkind gehe ich davon aus, dass mein Überleben für die Fortsetzung der Familienerblinie eine gewisse Wichtigkeit hat. Da ich vor über 24h gefahren war, wollte ich die Mama wissen lassen, dass ich nicht tot, entführt, verletzt, oder verloren gegangen war. Ich erwartete, dass sie den Erhalt der Nachricht bestätigen würde. Tat sie aber nicht. Ich fragte um eine Bestätigung an, es kam nichts. Dadurch ging ich davon aus, dass sie die Nachrichten nicht erhalten hatte und nach 2 Tagen fragte ich Jouke ob wir mal zu den Nachbarn gehen könnten, damit ich meine erfolgreiche Ankunft und mein Überleben verkünden konnte. Ging klar. Zu dem Zeitpunkt war ich schon in großer Sorge (diese Sorgen meinerseits haben tiefgründigere Ursachen die aber nicht hierhergehören) , weil ich befürchtete, dass sich daheim schon wer Sorgen machen könnte. Als ich dann im Internet angekommen war, stellte ich fest, dass daheim alle voll gechillt waren. Einerseits erleichtert über die fehlende Panik und andererseits auf den Tod beleidigt wegen der fehlenden Panik, kehrten wir (mit einigen Tomaten beschenkt) zurück in den Wald.

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