Mittwoch, 26. August 2015

Moskitos, Wald-Fashion und Shopping Day

So sehr ich mich über meine Ankunft im Wald freute, so sehr freuten sich die Moskitos über frisches Blut. In Null komma nix war ich überall angestochen. Ich weiß nicht ob ich erwartet habe, dass ich die ganze Zeit barfuß laufen würde, in kurzer Hose, gelegentlich irgendwo badend, jedenfalls hab ich das gar nicht erst probiert, sondern bin lieber dauerbesockt herumgelaufen. Und obwohl es tagsüber ziemlich warm war, hatte ich auch nur schwarze Kleidung an, hi und da mit einem langärmeligen Leiberl drunter. Als ich so zum ersten Mal bei den Nachbarn ankam, kam es sogleich zu einem Kulturschock. Nicht wegen Sprachen, Herkunft oder ähnlich banalem. Oh nein, die Differenz lag darin, dass die Wwoofer und Nachbarn allesamt in kurzer Kleidung und barfuß unterwegs waren und ich von oben bis unten schwarz angezogen und langärmlig in Wanderschuhen da stand. Die haben dort nämlich gar keine Moskitos. Ich reagierte souverän und meinte mir wär ja gar nicht heiß. Was auch stimmte solang ich mich im Schatten aufhielt oder mich in der Sonne nicht bewegte. Außer diesem Clash gab es aber keine Probleme, die waren allesamt nett und es gab ausserdem 3 wunderschöne Hunde die ich am liebsten allesamt eingepackt und mitgenommen hätte. 

Zusätzlich zu den Socken trug ich manchmal auch meine Bergschuhe, da ich annehme, dass meine Socken nicht so massiv gegen herumpurzelnde Holzscheite schützen. Die waren zwar oft superleicht weil verrottet, aber auch luftige Holzscheite tun weh wenn sie durch die von mir etwas fehlgeleitete Axt herumgefetzt werden. Das einzig coole an den luftigleichten Holzscheiten war, dass ich mir superstark vorkam wenn ich sie mit einem Axthieb zerfetzte. 

Neben Holz zerfetzten durfte ich auch Holz in der Scheibtruhe herumfahren. Jouke sieht zwar sehr edgy aus mit dem Gehstock, edgy hilft aber nicht wenn man beide Hände zum irgendwas festhalten braucht. Also fiel jegliches Scheibtruhenherumfahren, Tablett tragen, schwere Dinge transportiern in meinen Aufgaben bereich. In erster Linie durfte ich Holz chauffieren, aber der Abwechslung wegen, gab es auch mal Ziegel. Die lagen im Schuppen neben dem quasi funkelangelneuen zerlegten Geländewagen aus den 70ern. Die durfte ich in die Wiese fahren, wo Jouke vorhatte einen Raketenofen zu bauen. 
Im Haus gibt es einen großen, zentralen Holzofen, der an zwei Stellen in der Küche und an einer Stelle im Wohnzimmer befeuert werden kann. Nachdem ich beim Essen in der Küche mal fragte warum die Decke denn so schwarz sei, meinte Jouke, dass dem Vorbesitzer beim Heizen mal ein kleines Missgeschick passiert ist. Er hatte entweder eine Luke nicht geöffnet, oder es war etwas verstopft und dadurch zog der Rauch nicht wie üblich nach draussen ab, sondern drehte um und verteilte sich an der Decke aller Innenräume. Deswegen sieht das jetzt aus als hätte jemand mit ausschließlich schwarzen Wasserfarben gemalt und mit dem Pinselwasser die Decke gestrichen. 

Da dieser standardmäßige Kamin nicht gut genug für den Zimmermann Jouke ist, beschloss er einen Raketenofen zu bauen. Der sieht so aus:


Durch den Luftzug geht der Rauch oben raus und nicht da wo das Holz ist, außerdem soll das ganze effizienter brennen und weniger Holz brauchen. Im Probelauf draussen funktionierte das ganze ziemlich gut. Mit verzementierten Fugen und Isolierung bestehend aus so Tonkügelxhen aus dem Baumarkt ist dann sowieso alles supi!

Der Baumarkt führt mich auch schon zum nächsten Thema. Da unsere Brotvorräte zur Neige gingen, bestimmten wir den Samstag zum Shopping Day. Neben Brot brauchte Jouke einiges an Material aus dem Baumarkt, Thermoskannen (damit man nicht immer die schwere Entscheidung treffen muss, ob man das heiße Wasser jetzt für Tee oder zum Abwaschen verwendet), Essen bem IKEA (ermagerdermagerdermagerd), ein paar Lebensmittel. Ich bestand außerdem auf Insektenschutzspray und Anto-Juckreiz-Gel, da ich mich nicht mehr in der Lage sah die Moskitos mit reinem Hass und kratzenden Händen zu bekämpfen. 

Am Samstag gings dann also los. Wir marschierten zu den Nachbarn, stahlen eines ihrer Autos, fuhren nach Kalmar zum Bauhaus und betraten die wunderbare Welt der Heimasaunas, Bodenbeläge und verwirrten Mitarbeiter. Ob das Klischee mit den unfähigen Baumax-Mitarbeitern auch auf schwedische BauHAUS-Mitarbeiter zutrifft, kann ich weder bestätigen, noch widerlegen. Sie bemühen sich, wissen nur nicht immer was sie tun. Waber wer weiß das schon?
Am schwierigsten war die Suche nach dem wichtigsten und gleichzeitig geheimnisvollsten Objekt, nämlich einem Low Density High Temperature Mineral Fiber Board (sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen die Bezeichnung). Dieses Teil gibt es so unter dem Namen nicht, aber es wäre genau das was Jouke braucht um einen effizienten Küchenherd zu bauen, der nicht eine mittelgroße Baumschule verschlingt für eine Mahlzeit und einen Topf heißes Wasser extra. 
Da die Bauhausmenschen das Low Density High Temperature Mineral Fiber Board Problem nicht lösen konnten, fragten wir erstmal nach was einfacherem. Einem dreiwandigen Ofenabzugsrohr. Der befragte Mitarbeiter konnte nur mäßiges Englisch und wusste erst nicht was gemeint war. Ich sah meine Chance und warf gekonnt "tre väggor" ein. Ich bemerkte sogleich meinen Fehler, denn der Plural von vägg (Wand) ist nicht väggor. Väggor klang lautlich eher wie veckor (Wochen). Der mitarbeiter verstand mich trotzdem, meinte aber, dass sie sowas nicht hätten. 

Um die Bauhausmenschen nicht völlig zu überfordern fragten wir einen anderen Mitarbeiter nach etwas noch einfacherem. Feuerfestem Spachtelmaterial. Oder Mörtel. Clay halt. Der wusste gleich was abging, zeigte in Richtung kleinere Halle und sagte wir sollen nach eldfast bruk suchen. Fröhlich gingen wir in die Richtung davon und suchten die Regale ab. Da war sehr viel eldfast, und auch viel bruk aber kein eldfast bruk. Nach einer Runde um alle Regale in der Halle fragten wir nochmal. Der nächste Mitarbeiter schickte uns zurück in die Haupthalle. Immer noch mit ungebrochener Zuversicht gingen wir zurück und suchten weiter. Irgendwann fanden wir (nach einem 4. befragten Mitarbeiter) auch tatsächlich den eldfast bruk. Gleich 3 Kübel landeten im Einkaufswagen, den natürlich ich schieben durfte. Beide Hände und so. Nachdem auch noch 12 Meter Schlauch (für eine Wasserwaage), eine Schwedenflagge (für mich), umd noch irgendwas im Wagen gelandet waren, zahlten wir endlich und fuhren rüber zu IKEA! Nur zum Essen versteht sich. Wobei ich bei dem handkurbelbedienten Mixer schon weiche Knie bekam. Bei den rosa Silikon-Muffinförmchen musste ich zuschlagen, immerhin mache ich überhaupt nie Muffins. Was meinen Kauf nicht begründet, aber ich wollte die eben haben.

Nach IKEA fanden wir noch Thermoskannen in einem Alles-Geschäft (die haben da alles! Ausser Anti-Juckreiz-Gel). Fürs Essen kaufen fuhren wir zu Lidl, der war aber zu klein. Für Hefe, Gel und Tubenkäse (auf den bestand ich auch) fuhren wir noch zu ICA. Vorher setzten wir uns auf eine Bank, die idyllisch vor einem Betongebäude mit Blick auf den Parkplatz und die Straße gelegen war und aßen Kanelbullar. Bei all der Idylle fragten wir uns wer die glorreiche Idee gehabt hatte, an diese Stelle eine Bank hinzupflanzen.
Im ICA bekamen wir dann alles (außer dem Low Density High Temperature Mineral Fiber Board und einem dreiwandigen Ofenabzugsrohr) und konnten heimfahren. Bzw wieder bis zur Abzweigung, da hatten wir die Scheibtruhe versteckt mit der ich jetzt unseren ganzen gekauften Scheiß über den Waldweg zum Haus fahren durfte, während Jouke wieder das Auto zurückbrachte. Nach dem anstrengenden Tag jausneten wir ausgiebig mit Tomaten, Pesto, Tubenkäse, und frischem Brot. 

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