Das Hostel in Stockholm buchte ich natürlich trotzdem. Ich fing zumindest damit an. Bei der Abfrage der Kreditkartendaten wurde mir bewusst, dass ich zwar alle relevanten Nummern fürs Onlinebanking auswendig kann, aber nicht die Kreditkartennummer. Und meine Geldbörse hatte ich nicht dabei. Wer denkt schon daran seine Geldbörse mitzunehmen wenn man etwas buchen will. Absurd!
Da ich Angst hatte, dass die Zimmer in einer halben Stunde (Weg zum Haus und zurück) nicht mehr frei sein könnten, war ich ein bisschen verzweifelt. Nachdem ich aber nochmal die Verfügbarkeit gecheckt hatte, war ich etwas beruhigt. Wir durften uns dann auch ein Auto leihen und es dauerte nicht so lang. Mit Geldkarten bewaffnet kam ich zurück zum Internet und die Bezahlseite war immer noch aufrufbar, also überhaupt kein Problem. Bis eine halbe Stunde nach dem Buchen eine Email kam in der stand, dass die Zahlung nicht durchführbar war. Ja was denn jetzt noch alles?? Ich gab nochmal gaaaaanz vorsichtig die Daten ein und hoffte, dass am nächsten Tag eine Bestätigung da sein würde.
An dem Abend war ich ziemlich unruhig, weil ich merkte wie ungern ich jetzt nach Hause fahren wollte.
Am nächsten Tag war zum Glück alles geklärt. Warum die Zahlung anfangs nicht funktioniert hatte, weiß ich nicht, jedenfalls war jetzt alles in Ordnung. Zwischen mir und Stockholm waren nur mehr 2,5 Tage im Wald.
Wir chillten noch ein bisschen im Internetland und Jouke zeigte mir die Farm der Nachbarn. Ich hatte bisher nur das Wohnhaus und den Garten drumherum gesehen. Der Rest entpuppte sich als ein riesiges Glashaus vor dem auch noch meterlange Zucchini- und Kürbisfelder lagen. Bei dessen Anblick musste ich mir automatisch vorstellen wie meine Mama freudig quietschend und in vollkommener Begeisterung zwischen dem ganzen Gemüse herumläuft und ausflippt. Meine Mama mag Gemüsegärten und Geschirr. Und mich.
Zu Mittag fuhren wir Jouke zum Bahnhof. Der Abschied war sehr erfgreifend und tränenreich. "Ja wir sehen uns dann nächstes Jahr, ne. Alles klar, tschüss!" Dann fuhr ich mit Vater Nachbar (ich nenn die Nachbarn mal nur [Anrede] Nachbar, ich weiß ja nicht ob die das mögen in einem Blog erwähnt zu werden) noch 3 Stunden durch die Gegend unüm Dinge zu erledigen, Jüngster Sohn Nachbar von der Schule abzuholen und einkaufen zu gehen. Wieder zurück bei den Nachbarn gabs Salat und Knäckebrot mit Aufstrich als spätes Mittagessen. Nachdem ich noch ein paar Ringlotten und Tomaten (die ernten jeden Tag einen Riesenkorb Tomaten!) bekommen hatte, verabschiedete ich mich und ging zum ersten mal allein den Weg zurück zum Haus im Wald.
Wie bereits kurz erwähnt, war ich nocht gerade heiß drauf allein im Wald zu bleiben. Auch als ich nicht allein war, musste ich zweimal das abendliche Zähneputzen vorzeitig abbrechen, weil mir spontan irgendein Horrorfilm oder Slenderman im Kopf herumspukten und ich panisch wieder ins Haus flüchtete. Ich las solange es hell war meine Zeitschriften, meine Bücher hatte ich schon fertig. Ich jausnete einen Salat mit Limettensaft statt Essig, bei dessen Säuregehalt die meisten Leute über Verätzungserscheinungen klagen würden. Ich mag meinen Essig und wenns sein muss eben Limettensaft. Nicht ohne Grund hatte mir Jouke beim zweiten mal Salat machen nicht mehr erlaubt den Limettensaft zu dosieren. Oder meine Oma immer verwundert den Kopf geschüttelt, wenn ich 5 Minuten lang den weißen (aka superlahmen) Balsamico auf meine Mozzarella mit Tomaten sprühte.
Um halb 9 räumte och meine Sachen hinein, blieb aber in meinem Schlafsack (der mir nur als Warmhaltepackung für kühle Abende diente) auf der Bank vorm Haus sitzen um noch möglichst lange das Licht zu nutzen. Als es wirklich zu finster wurde ging ich rein und zündete die Öllampen an. Ich spielte Solitär bis 11 und schlief dann wie üblich zu einem Die drei ??? Hörspiel ein. In der totalen Stille schlafen zu wollen wo ich bei jedem Waldgeräusch aufgeschreckt wäre, schien mir höchst unverantwortlich. Den Samstag verbrachte ich mit lesen, jausnen, Solitär spielen und Musik hören. Ausserdem versuchte ich moch an meinen Lieblingsrätseln wo man ein Wort vorgegeben hat und die Buchstaben numeriert sind und man die Buchstaben den Nummern richtig zuordnen muss. Die zweite Nacht war wie die erste, unheimlich, aber ereignislos. Diesmal versuchte ich aber tagsüber nicht viel zu trinken, damit ich im Dunkeln dann nicht mehr aufs Klo muss. Funktionierte aber nicht. Deswegen ging ich um 11 nochmal raus, dafür suchte ich mir das lustigste Lied dass ich finden konnte, welches da war "Die Stärke einer Frau" aus dem Musical Rebecca. Es ist eigentlich eher befreiend und emanzipierend gemeint, ist aber extrem lustig, wenn man sich zum sehr bildhaften Text eine nette Choreografie ausdenkt. In der Duuuuunkelhaaaaiit gibt sie ihm Zaichen und im Sturrrrm der Zaait gibt sie ihm Kraaaaaaaaaaft!
Dank der Stärke einer Frau hatte ich dann auch die letzte Nacht überlebt und packte fröhlich mein Zeug. Ich hatte am Vortag extra noch heißes Wasser in Thermoskannen aufbewahrt um am Sonntag noch das ganze Geschirr zu waschen. Leider war die Thermoskanne nicht richtig zu und das Wasser eher lau. Naja, hilft nichts. Ich wusch das Geschirr lauwarm, schaute überall nach ob noch was von mir rumlag, oder noch wichtiger, ob ich etwas wichtes eingepackt hatte, das nicht mir gehörte. Um dreiviertel 12 sagte ich baba zum Haus und rumpelte mit dem standardmäßigen Gefühl etwas vergessen zu haben den Waldweg zurück und wurde dort von einer der Wwooferinnen abgeholt, die ich angeheuert hatte mich zum Bahnhof zu fahren. (Im Sinne von nett gefragt)
Der Rest meiner Reise wird in den nächsten Post verpackt. :)
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