Nachdem ich die schlimmen H&Ms hinter mir gelassen hatte ging ich nochmal zum Bahnhof weil es dort Wlan gibt. Dort suche ich mir die Adresse von einem Infocenter raus und marschierte dorthin. Da fand ich zwar die Flagge aber das Lokal an der Stelle war ein Coffeeshop. Da war ich dann schon ein bisschen genervt. Mit dem Coffeeshop Wlan suchte ich noch eine andere Adresse und stellte fest, dass die direkt neben mir lag. Im Sergel Torg. Das ist eine Art großer Platz zu dem man rundherum mit Stiegen runtergehen kann und der dann in die unterirdische Welt der Galerian, einem weiteren gewaltigen Einkaufszentrum führt. Da ging ich also die Treppen hinunter und suchte nach einem Infocenter, ich ging weiter in die Tiefen der Galerian und kam irgendwo schließlich wieder bei einem H&M an. Da musste ich natürlich wieder reingehen um ein bisschen Energie zu sammeln. Ich kaufte mir ein fabelhaftes Outfit und ging dann gemustert und gestreift wieder den Weg zurück zum Sergel Torg. Oben an der Treppe erblickte ich plötzlich das riesige T für Tourist Center. Dort bekam ich dann innerhalb von 10 Minuten meine heiß ersehnte Stockholm Card und brach dann auf zu einer Royal Canal Tour. Beim Warten stand ich neben einer netten Wiener Familie mit drei Töchtern die sich alle angrantelten. Ich freute mich auf die Bootsfahrt.
Im Boot suchte ich mir einen Fensterplatz mit möglichst unzerkratzen Scheiben und setzte die Kopfhörer auf. Da lief klassiche Musik mit leichtem Tinitusquietschen, nach ein paar Minuten hatte ich den Tinitus auch und es störte mich nicht mehr. Die Tour geht normalerweise um die Insel Djurgården herum, heute war der Wasserstand allerdings zu niedrig und wir konnten nur um die halbe Insel herumfahren. Ich versuchte erst mir die Führung auf schwedisch anzuhören, aber bei dem Tinitus und meiner eher schwachen Aufmerksamkeit, wirde mir das schnell zu mühsam. Wir fuhren an wichtigen Stellen wie der Sinkstelle der Wasa, dem Botschaftenviertel und dem Fotografiemuseum vorbei.
Nach der Tour fuhr ich noch mit dem Boot auf die Insel und ging ins Wasamuseum. Beim Reingehen war ich wieder so überwältigt wie beim ersten Mal. So ein großes, schönes Schiff und so eine schlechte Kamera um es zu fotografieren! Ich setzte mich ins Kino und sah die letzten 2 Minuten des Dauerschleifenfilms an. Dann ging ich wieder raus und meine Ohren erfassten den Klang einer Stimme die zu einem Studenten gehörte, der gerade die Geschichte der Wasa schilderte. Im Sommer wird die gesamte Stadt von Studenten erhalten und dieser hier erzählte voll Insbrunst und Humor wie im Endeffekt bei den Verhören der Zeugen rauskam, dass der König und Gott Schuld hatten am Sinken der Wasa. Das heißt keiner wurde bestraft, denn der König und Gott sind ja viel zu wichtig. Danach sah ich mir die letzten 15 Minuten des Films auf Russisch mit englischen Untertiteln an. Wieder etwas schlauer. Auf dem Weg in den ersten Stock ging ich noch an einer Gruppe vorbei die von Jesus irgendwas zu den Bemalungen erzählt bekam. Ich gehe davon aus, dass er Jesus war, denn er sah so aus und predigte von den Malereien zu seinen Jüngern/Touristen. Er wurde aber etwas aus dem Konzept gebracht durch eine Gruppe Amerikaner die laut über irgendwas lachten, sehr oft und sehr lang. Die gingen mir auf die Nerven, deswegen ging ich rauf. Die restlichen Stockwerke von denen man auf das Schiff blickt ging ich flott durch. Im unteren Geschoss konnte man rekonstruierte Gesichter von den gefundenen Toten an Bord begutachten. Da stand auch ob sie unterernährt oder krank waren. Waren sie auch. Denen ging es nicht so gut damals.
Zum Abschied schaute ich nochmal kurz in den Film auf Deutsch rein und dann ging ich wieder. Ich war ziemlich fertig, der erste Tag mit Suchen und den blöden Sandalen war anstrengend genug.
Da ich mich ungern in eines der teuren Restaurants an der Drottninggatan setzen wollte - wäre ja total unstudentengerecht - ging ich erstmal heim. Dort googlete ich zum Thema billiges Essen in Stockholm. Und fand eine Pizzeria die nicht weit weg und nicht zu teuer war. Dort marschierte ich dann um halb 9 hin und setzte mich allein hin. Logischerweise. Zum Glück lag eine Zeitung auf dem Tisch die ich mit flammender Leidenschaft las. Ich bestellte irgendeine Pizza des Hauses und Wasser. Ich glaube die zwei Italiener fanden mich ein bisschen schräg, vor allem weil ich auch noch versucht hatte auf schwedishc zu bestellen und der eine mir aber nach 5 Minuten auf die Schliche kam. Gegen Ende der Pizza, und der Zeitung, gingen auf einmal zwei Typen vorbei die ich eindeutig als Oberösterreicher identifizieren konnte. Ich fragte mich wieder mal wozu ich eigentlich jemals ins Ausland fahre. Die 2 setzten sich zwei Tische neben mich und ich freute mich, weil die meine Sprache sprachen. Ich war aber so gut wie fertig und nach dem Bezahlen verabschiedete ich mich schweren Herzens und im Stillen von ihnen.
Der erste Tag ist nun vorbei und ich geh jetzt heihei.
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